Diskussion der Coronaregeln in der österr. kath. Kirche

Am 19.05.2020 erging ein Schreiben an alle österr. Bischöfe, alle Parlamentsklub, dem LH-Tirol und religion.orf.at:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Pfarrgemeinderat von Igls (Innsbruck) ist es mir im Namen vieler Gemeindemitglieder ein Anliegen, Ihnen in Form dieses offenen Emails ein Statement unseres Pfarrers zum vergangenen Wochenende zu übermitteln. Wir feierten zum ersten Mal nach dem Lockdown wieder in Krichenräumen Gottesdienste, jedoch unter Bedingungen, die Ihrer Nachschau verpflichten. Doch lesen Sie bitte selbst:

"Lieber (N), gerne gebe ich ein feedback! Nun wir haben versucht, alles vorzubereiten und zu regeln (Zählkarten etc. , Kennzeichnungen u.ä.). All das freilich mit der Beschränkung von insgesamt 14 zugelassenen Teilnehmern, sowohl in Igls als auch in Vill. Natürlich war dann die Kirche fast leer mit 10 bis 14 Mitfeiernden. Den Besuchern hat es – so die Rückmeldungen – trotz allem gefallen. Ich persönlich begann dann aber nach einem Restaurantbesuch am Freitag erst kritisch das Ganze zu hinterfragen. Es kann doch nicht sein, dass die Leute im Restaurant ohne Maske und ohne 10 m² - Beschränkung sitzen können, sogar mehrere Stunden, und die Messbesucher stark reduziert mit Masken in einem von der Kubatur her unvergleichlich größeren Raum (Luft) ausharren müssen. Dazu kommt noch die eigentlich seltsame Empfehlung seitens der Kirchenleitung, die Gottesdienste mögen nicht länger als eine Stunde dauern (was sie zumeist ja eh nicht tun …) Wenn ich mir das so durchgedacht habe, ist in mir auch Ärger aufgekommen und mit anderen auch Verwunderung und Kopfschütteln. Die Verhandlungen mit der Regierung sind so für mich unbefriedigend. Als Kirche, in der immerhin jeden Sonntag einige Hunderttausend einen Gottesdienst besuchen wollen, sind wir nicht irgendwer, irgendwas und verdienen es nicht, schlechter als die Gastronomie behandelt zu werden! Wieder ein Beispiel mehr, dass eben vor allem die Wirtschaft und das Geld Gewicht haben und andere Werte wenig wert sind

Da kann noch so oft diese Vereinbarung im Kirchenblatt und im ORF gewürdigt werden, ich und viele in der Gemeinde sind damit nicht glücklich und zufrieden. Eine Handschrift der christliche-sozialen Regierungspartei erwartet ja ohnedies fast niemand mehr, obwohl im Beraterstab des Kanzlers sich ja auch – wenn ich richtig informiert bin – Opus-Dei-Leute befinden. Benachteiligt sind ja die Gemeinden, die eine kleine Kirche haben. Ich nehme sogar an, dass in größeren Kirchen da und dort auch ohne die Beschränkungen kaum mehr Gottesdienstbesucher sind. Das wär interessant, einmal zu erheben ..

Was Prof. Körtner, Wien, in der Furche schreibt, hat mir auch zu denken gegeben: „So schmerzfrei viele Kirchenführer die staatlichen Eingriffe in das Grundrecht der Religionsfreiheit hingenommen haben, so religiös schmerzfrei scheint mittlerweile ein großer Teil der Gesellschaft zu sein.“

Aufgrund der neuesten COVID-19-Lockerungsverordnung vom 17.5.2020 nehme ich an, dass gemäß § 11 (2a) die Maskenpflicht nicht mehr verbindlich gilt. Das wird uns ja dann mitgeteilt werden.

Nun wir versuchen, auf Gottesdienste im Freien auszuweichen und hoffen, dass uns zumindest der Wettergott gnädig ist.

Mit freundlichen Grüßen

Pfarrer Magnus Roth , Igls-Vill

PS: kein Problem, Namen und Herkunft anzugeben!

PS noch zu meinem Mail: Wenn ich nicht in Igls 3 und in Vill einen Gottesdienst halten würde, könnte ich eher gleich zusperren !

Gruß Magnus"

In freudiger Erwartung Ihrer Reaktionen und in weiterer Folge auch zu wünschenden Handlungen verbleibe ich (vermutlich im Namen hundertausender Menschen, nicht nur unserer Gemeindemitglieder)

mit den besten Grüßen, hochachtungsvoll Michael Astenwald