Diskussion der Coronaregeln in der österr. kath. Kirche - 4

Die Analyse von Klaus Jenwein kommentierte der Dompfarrer von St. Stephan in Wien am 22.05.2020 folgendermaßen:

Sehr geehrter Herr Astenwald,

die Kirchen und Religionsgemeinschaften haben sich eine weitergehende Regelung selbst auferlegt, andernfalls wäre sie in einer Verordnung gekommen. Weitere Lockerungen stehen aber bevor: In Kürze wird die 10 m2 Regel pro Person bei Beibehaltung anderen Vorsichtsmassnahmen aufgehoben werden. Wir alle haben uns diese Pandemie nicht ausgesucht. Jetzt gilt es zusammen zu halten und sich in Geduld zu üben. Mit den besten Wünschen, Dompfarrer Toni Faber


Dompfarrer Toni Faber

Diskussion der Coronaregeln in der österr. kath. Kirche - 3

Am 21.5.2020 erstellte unser Pfarrkirchenrat Klaus Jenewein folgende Analyse (auch diese erging an alle österr. kath. Bischöfe, alle Paralemtsklubs, an TT und Standard)

Liebe Freunde, Engagierte und Mitdenkende,

ich wundere mich bis heute, warum offensichtlich niemand von den kirchlichen Oberen und Verantwortlichen die aktuelle Verordnungslage näher anschaut bzw kommuniziert. Ich lese die geltenden Regelungen der Verordnung des Bundesministers für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend Lockerungen der Maßnahmen, die zur Bekämpfung der Verbreitung von COVID-19 ergriffen wurden (COVID-19-Lockerungsverordnung – COVID-19-LV) - BGBl II 197/2020, geändert BGBl II 207/2020, im kirchlich/religiösen Kontext jedenfalls so:

Gem § 2 Abs 1 ist das Betreten des Kundenbereichs von Betriebsstätten unter insgesamt fünf Voraussetzungen zulässig:

(Z 1) Gegenüber Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, ist ein Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten.

(Z 2) Kunden haben eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung zu tragen.

(Z 3) Der Betreiber hat sicherzustellen, dass er und seine Mitarbeiter bei Kundenkontakt eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung tragen, sofern zwischen den Personen keine sonstige geeignete Schutzvorrichtung zur räumlichen Trennung vorhanden ist, die das gleiche Schutzniveau gewährleistet.

(Z 4) Der Betreiber hat durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass sich maximal so viele Kunden gleichzeitig im Kundenbereich aufhalten, dass pro Kunde 10 m2 zur Verfügung stehen; ist der Kundenbereich kleiner als 10 m2, so darf jeweils nur ein Kunde die Betriebsstätte betreten. Bei Betriebsstätten ohne Personal ist auf geeignete Weise auf diese Voraussetzung hinzuweisen.

(Z 5) Für baulich verbundene Betriebsstätten (z. B. Einkaufszentren, Markthallen) gilt Z 4 mit der Maßgabe, dass die Flächen der Kundenbereiche der Betriebsstätten und des Verbindungsbauwerks zusammenzuzählen sind und dass sich sowohl auf der so ermittelten Fläche als auch im Kundenbereich der jeweiligen Betriebsstätten maximal so viele Kunden gleichzeitig aufhalten dürfen, dass pro Kunde 10 m² der so ermittelten Fläche bzw. des Kundenbereichs der Betriebsstätte zur Verfügung stehen. Gem § 2 Abs 3 ist § 2 Abs 1 Z 1 bis 3 sinngemäß auf geschlossene Räume von Einrichtungen zur Religionsausübung anzuwenden.

Diese - nachträglich mit BGBl II 207/2020 geänderte und gem § 13 Abs 3 seit 15.5.2020 in Kraft stehende - Bestimmung in § 2 Abs 3 bedeutet, dass in Kirchen-Innenräumen nur mehr die in Z 1, 2 und 3 genannten Voraussetzungen einzuhalten sind, also

Personen, die im gemeinsamen Haushalt leben, nebeneinander und sogar aufeinander sitzen/stehen können, während zu allen anderen ein Abstand von jedenfalls 1 Meter eingehalten werden muss;
nach wie vor alle im Kirchenraum einen MNS tragen müssen;
Pfarrer / Mesner / Ministranten etc (also die „Betreiber“ und „Mitarbeiter“) beim Kundenkontakt im Regelfall einen MNS tragen müssen, soweit nicht mechanische Abgrenzungen montiert sind.

Die Voraussetzung nach Z 4 - also die 10 m2 pro Besucher - gilt also für Kirchenräume seit 15.5.2020 nicht mehr.

Diese Regelungen beziehen sich auf das Betreten von Kirchenräumen. Für Messfeiern etc. müssen auch die Bestimmungen in Bezug auf Veranstaltungen eingehalten werden, also die Bestimmungen in § 10 der Covid-19-LV:

Demnach sind gem § 10 Abs 1 Veranstaltungen mit mehr als 10 Personen untersagt.
Gem § 10 Abs 3 gilt bei Begräbnissen eine maximale Teilnehmerzahl von 30 Personen.
Gem § 10 Abs 4 ist beim Betreten von Veranstaltungsorten gem Abs 1 - also bei solchen mit nicht mehr als 10 Personen - gegenüber Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, ein Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten. Weiters ist in geschlossenen Räumen eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung zu tragen. Schließlich muss für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen darüber hinaus pro Person eine Fläche von 10 m2 zur Verfügung stehen.

Allerdings gelten die soeben dargestellten Regelungen in § 10 Abs 1 bis 4 gem § 10 Abs 5 Z 1a nicht für Veranstaltungen zur Religionsausübung mit Ausnahme von Begräbnissen (gem § 13 Abs 3 ebenfalls in Kraft seit 15.5.2020).

Damit können Messfeiern mit mehr als 10 Personen in Räumen durchgeführt werden, wenn beim Betreten dieser Räume die oben genannten Voraussetzungen des § 2 Abs 1 Z 1 bis 3 eingehalten werden.

Schließlich ist gem § 10 Abs 6 bei Religionsausübung im Freien, sofern sich dies nicht ohnedies aus § 1 Abs 1 ergibt (es sich also um einen öffentlichen Ort im Freien handelt, weil dort gegenüber Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, ein Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten ist), gegenüber Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, ein Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten. Darüber hinaus hat der Veranstalter sicherzustellen, dass durch geeignete Schutzmaßnahmen das Infektionsrisiko minimiert wird.

Damit müssen also bei Messfeiern wie heute im Freien nur der 1-m-Abstand eingehalten werden und Infektionsminimierungs-Maßnahmen getroffen werden, was immer das sein soll …

Und zu aller Letzt: Gem § 11 Abs 2a gelten die Pflicht zum Tragen einer den Mund- und Nasenbereich abdeckenden mechanischen Schutzvorrichtung und die Pflicht der Einhaltung eines Abstands nicht, wenn dies die Vornahme religiöser Handlungen von anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften und religiösen Bekenntnisgemeinschaften erfordert.

Was darunter für den katholischen Ritus zu verstehen ist, müsste man sich näher anschauen; zur Illustration fiele mir beispielsweise ein, dass ein streng katholisch-reaktionärer Zugang zur Mundkommunion bzw zur Unzulässigkeit der Handkommunion diese Ausnahme verwirklichen würde. Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich persönlich schließe aus, dass man sich darauf berufen könnte.

Mich würde jetzt nur interessieren, ob diese - wie gesagt seit 15.5.2020 geltende - Rechtslage von Seiten der Diözese oder sonst wem an die Pfarren kommuniziert wurde.

Herzliche Grüße Klaus

Diskussion der Coronaregeln in der österr. kath. Kirche - 2

Am 21.05.2020 antwortete der Österr. Seniorenbund durch seinen Generalsekretär Markus Keschmann:

Sehr geehrter Herr Astenwald! Sehr geehrter Herr Pfarrer Roth!

Vielen Dank für Ihre Nachricht bzw. das Weiterleiten der Stellungnahme. Ich kann Ihre Empfindungen bestens nachvollziehen und teilen: - als Seniorenbund-Mitarbeiter, der selbst viele Veranstaltungen und Termine absagen musste und umgekehrt ganz viele Menschen in Isolation zu betreuen hat(te); - als Mitglied des VVR meiner Pfarre und regelmäßiger Ordner bei unseren Messen, der einen unbedankten Dienst verrichtet.

Bei allen Begleitumständen und Regeln, mit denen wir derzeit konfrontiert sind, dürfen wir meiner Meinung nach aber nicht das große Ganze aus den Augen verlieren: den Schutz von Leben und Gesundheit einerseits und die erfreuliche Tatsache, dass wir als Gemeinde wieder gemeinsam Eucharistie feiern können!

Ich glaube nicht, dass uns neidvolle Seitenblicke zu anderen Branchen und Regelungen weiterbringen. Die Bundesregierung versucht derzeit, alle Bestimmungen nach dem gleichen Schema zu erlassen: Mund-Nasen-Schutz, 1 Meter-Abstand, Hände desinfizieren. Das gilt ja praktisch immer & überall und wird uns sicherlich noch Monate begleiten. (Eine Aufhebung der MNS-Verpflichtung ist weder angedacht noch absehbar.) Darüberhinaus gibt es für einzelne Bereiche zusätzliche Bestimmungen, wenn auch eine besondere Gefahr der Verbreitung oder der Ansteckung besteht. Und da fallen Gottesdienste (egal welcher Konfession) nun einmal (leider) darunter:

  • es ist evident, dass das Virus besonders bei (lautem) Sprechen und Gesang durch Tröpfchen übertragen wird; beides kommt in Gottesdiensten regelmäßig vor.
  • besonders schützenswerten Personengruppe sind Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Menschen; beide Personengruppen sind in Gottesdiensten überdurchschnittlich vertreten.
  • das Virus wird überall dort leichter übertragen, wo viel Menschen auf relativ engem Raum über mehr als 15 Minuten beisammen sind und nicht alle Flächen permanent desinfiziert werden können; beides gilt für unsere Kirchen und unsere "normalen" Messen.
  • ausgenommen von der Abstandsregel sind ja Personen, die im selben Haushalt leben; erfahrungsgemäß ist das eine große Erleichterung, weil Familien wieder gemeinsam feiern können.

Wie gesagt, halte ich einen Vergleich mit anderen Regelungen in anderen Branchen für nicht angebracht, weil ein solcher Vergleich immer hinkt und je unterschiedliche Voraussetzungen unberücksichtigt lässt. Oder wollt ihr Messen zu viert feiern, wie in der Gastronomie?

Ich glaube, gerade wir als "Heilige" in der Kirche Gottes sollen das Gemeinsame vor das Trennende stellen, und das gemeinsame Feiern vor das Jammern über Beschränkungen. Die überwiegende Mehrheit der Gläubigen freut sich, wieder zusammen kommen zu können. Der Bundesregierung und den Kirchenvertretern unterstelle ich schon, besonnen und wohl überlegt die verschiedenen Interessen abzuwägen; und ich denke, keiner von uns will als neues "Ischgl" in der Zeitung stehen...

Ich wünsche Ihnen und der ganzen Pfarrgemeinde alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. Bleiben wir gesund, schauen wir aufeinander, halten wir - gestärkt durch das Sakrament - durch und seien wir weiterhin für unsere Mitmenschen im Sinne des Evangeliums da!

Freundliche Grüße,

Mag. Markus Keschmann Generalsekretär


ÖSTERREICHISCHER SENIORENBUND Bundesorganisation