Diskussion der Coronaregeln in der österr. kath. Kirche - 2

Am 21.05.2020 antwortete der Österr. Seniorenbund durch seinen Generalsekretär Markus Keschmann:

Sehr geehrter Herr Astenwald! Sehr geehrter Herr Pfarrer Roth!

Vielen Dank für Ihre Nachricht bzw. das Weiterleiten der Stellungnahme. Ich kann Ihre Empfindungen bestens nachvollziehen und teilen: - als Seniorenbund-Mitarbeiter, der selbst viele Veranstaltungen und Termine absagen musste und umgekehrt ganz viele Menschen in Isolation zu betreuen hat(te); - als Mitglied des VVR meiner Pfarre und regelmäßiger Ordner bei unseren Messen, der einen unbedankten Dienst verrichtet.

Bei allen Begleitumständen und Regeln, mit denen wir derzeit konfrontiert sind, dürfen wir meiner Meinung nach aber nicht das große Ganze aus den Augen verlieren: den Schutz von Leben und Gesundheit einerseits und die erfreuliche Tatsache, dass wir als Gemeinde wieder gemeinsam Eucharistie feiern können!

Ich glaube nicht, dass uns neidvolle Seitenblicke zu anderen Branchen und Regelungen weiterbringen. Die Bundesregierung versucht derzeit, alle Bestimmungen nach dem gleichen Schema zu erlassen: Mund-Nasen-Schutz, 1 Meter-Abstand, Hände desinfizieren. Das gilt ja praktisch immer & überall und wird uns sicherlich noch Monate begleiten. (Eine Aufhebung der MNS-Verpflichtung ist weder angedacht noch absehbar.) Darüberhinaus gibt es für einzelne Bereiche zusätzliche Bestimmungen, wenn auch eine besondere Gefahr der Verbreitung oder der Ansteckung besteht. Und da fallen Gottesdienste (egal welcher Konfession) nun einmal (leider) darunter:

  • es ist evident, dass das Virus besonders bei (lautem) Sprechen und Gesang durch Tröpfchen übertragen wird; beides kommt in Gottesdiensten regelmäßig vor.
  • besonders schützenswerten Personengruppe sind Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Menschen; beide Personengruppen sind in Gottesdiensten überdurchschnittlich vertreten.
  • das Virus wird überall dort leichter übertragen, wo viel Menschen auf relativ engem Raum über mehr als 15 Minuten beisammen sind und nicht alle Flächen permanent desinfiziert werden können; beides gilt für unsere Kirchen und unsere "normalen" Messen.
  • ausgenommen von der Abstandsregel sind ja Personen, die im selben Haushalt leben; erfahrungsgemäß ist das eine große Erleichterung, weil Familien wieder gemeinsam feiern können.

Wie gesagt, halte ich einen Vergleich mit anderen Regelungen in anderen Branchen für nicht angebracht, weil ein solcher Vergleich immer hinkt und je unterschiedliche Voraussetzungen unberücksichtigt lässt. Oder wollt ihr Messen zu viert feiern, wie in der Gastronomie?

Ich glaube, gerade wir als "Heilige" in der Kirche Gottes sollen das Gemeinsame vor das Trennende stellen, und das gemeinsame Feiern vor das Jammern über Beschränkungen. Die überwiegende Mehrheit der Gläubigen freut sich, wieder zusammen kommen zu können. Der Bundesregierung und den Kirchenvertretern unterstelle ich schon, besonnen und wohl überlegt die verschiedenen Interessen abzuwägen; und ich denke, keiner von uns will als neues "Ischgl" in der Zeitung stehen...

Ich wünsche Ihnen und der ganzen Pfarrgemeinde alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. Bleiben wir gesund, schauen wir aufeinander, halten wir - gestärkt durch das Sakrament - durch und seien wir weiterhin für unsere Mitmenschen im Sinne des Evangeliums da!

Freundliche Grüße,

Mag. Markus Keschmann Generalsekretär


ÖSTERREICHISCHER SENIORENBUND Bundesorganisation


Autor: rtp

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